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Interview mit dem Studioleiter zu neuen MikroLern-Prototypen

Der junge Forscher Bernhard Göschlberger ist operativer Leiter des Junior Research Studios MobileKnowledgeLab. Er arbeitet gerade an seiner Dissertation und entwickelt den Prototypen SoIL.

 

Wie kam es dazu, dass Sie sich für Social MicroLearning faszinieren konnten?

Ich bin über Prof. Peter A. Bruck zum Thema MicroLearning gekommen und war sofort begeistert von der Idee, Lernen in den Alltag einbetten zu können. Formelle Lernszenarien, wie wir sie etwa in der Schule oder an der Universität finden, können aber die Anforderungen an die Dynamik des Lernens in einer Wissensgesellschaft oder einer Knowledge Organization nicht erfüllen. Denn meist ist eben nicht alles Wissen schon in Büchern niedergeschrieben und muss nur noch eingetrichtert werden. Diese Erkenntnis hat mich unweigerlich dazu geführt, MicroLearning auch in Richtung Wissensmanagement weiter zu denken und die Idee des Social MicroLearning war geboren. Mehr über Social MicroLearning in einem OeAD-News Artikel.

Welchen neuen Prototypen bauen Sie gerade?

Wir versuchen unsere Vision von Social MicroLearning weiter zu entwickeln. Dabei spielt natürlich die Weiterentwicklung des mit dem Best Demo Award der EC-TEL 2016 prämierten SoIL-Prototyps weiterhin eine zentrale Rolle. Aber für unser Konzept des Open Social MicroLearning, bei dem sich jeder seine Individuellen Lerninhaltstypen bauen kann, entwickeln wir einige Prototypen. Diese Entwicklungen sind Open Source und interessierte Entwickler sind herzlich eingeladen ihre eigenen Ideen zu verwirklichen.

Was wird dieser neue Prototyp können?

Der SoIL-Prototyp ist eine Art Social-Media-Plattform für Lerninhalte. Wir nutzen dabei die vielfach in Kritik geraten Filerblasen die durch die Sozialen Netzwerke entstehen um relevante Lerninhalte zu empfehlen. Wichtig ist uns dabei aber, dass wir diese Sozialen Netzwerke nur aus den beobachtbaren Interaktionen der Nutzer mit unserer Plattform extrahieren und nicht etwa Facebook & Co. anzapfen. Wir wollen dadurch die informellen Community-Strukturen nutzen und unterstützen um sinnvollen Wissensaustausch zu ermöglichen und dabei gleichzeitig eine Art Wissensdokumentation, die zugleich auch Lernbehelf ist, zu schaffen.
Die Open Social MicroLearning Prototypen sind Demonstratoren, die aufzeigen sollen, wie vielfältig Wissen und vor allem auch die Repräsentation von Wissen sein kann. Dabei geht die Liste von eher klassischen, generell anwendbaren Lernkartentypen wie etwa Multiple Choice oder Fill-In hin zu ganz spezifischen, für bestimmte Lerninhalte entwickelte Lernkartentypen wie etwa einer Binärzahlen-Lernkarte, die eine entsprechende Visualisierung der Binäreingabe ermöglicht.

Inwiefern wird dieser neue Prototyp existierenden Prototypen oder Produkten am Markt überlegen sein?

In den meisten Organisationen wird Wissensmanagement und E-Learning nicht integriert betrachtet. Daher adressieren die am Markt vorhanden Lösungen vor allem entweder das eine oder das andere. Die Zukunft liegt aber in der nahtlosen Verzahnung, bzw der Integration von E-Learning in den Wissensmanagement-Prozess. Dazu muss das Wissen in einer Form dokumentiert werden, in der es auch erlernt werden kann. SocialMicroLearning bietet genau diese Integration in den Wissensmanagement-Prozess und verknüpft das mit dem gehirngerechten, alltagsintegrierten wiederholungsbasierten MicroLearning.

Welches Problem löst dieser neue Prototyp?

Der SoIL-Prototyp löst das Problem, des Infromation Overload und kümmert sich darum, dem Lernenden möglichst relevante Lerninhalte zu liefern. Darüber hinaus ermöglicht er es auf einfache Weise Inhalte zu erstellen und zu teilen.
Die Open Social MicroLearning Prototypen erlauben es ganz verschiedene und zum Teil sehr spezifische Inhalte zu erstellen und in der selben Art und Weise per SoIL-Prototyp zu teilen. Vereinfacht gesagt geht es also darum, jedem den passenden Lernkartentyp zur Verfügung zu stellen.

Welche sind die wichtigsten Komponenten dieses neuen Prototyps?

Entscheiden ist, welche Möglichkeiten der Protyp dem Nutzer bietet. Im Falle von SoIL sind das:
- Create and share
- Evaluate, Rate, Comment and Improve
- Tag and Collect
- Interact and Solve
Das heißt, das jeder Nutzer zugleich Lernender als Inhaltskonsument, Lernender als Inhaltskurator, Lernender als Inhaltsevaluator und Lernender als Inhaltsersteller sein kann, wobei jede dieser Stufen unterschiedliche kognitive Ebenen anspricht. Durch die neuen Lernkartentypen aus dem Open Social MicroLearning Projekt können die Lernenden noch stärker über eine passende Wissensrepräsentation reflektieren und dadurch einerseits selbst zu einem besseren Verständnis gelangen und andererseits hochwertigere Inhalte erstellen.

Warum stellt dieser neue Prototyp einen Mehrwert für die NutzerInnen dar?

Am Ende des Tages bleibt das Ziel unserer Forschung Lernen so effizient wie möglich zu gestalten. Der Lernende soll sich nur mit den für ihn relevanten Dingen beschäftigen müssen. Dabei spielt auch die Zeit eine große Rolle. Wir haben in auch in unserer vorangegangen Forschung gesehen, wie gut auch Konzepte wie Just-In-Time-Learning angenommen werden. Was heute irrelevant ist, kann morgen wichtig sein. Social MicroLearning soll den Lernenden immer am Puls des für ihn relevanten Wissens halten zu dem dieser aber zugleich auch seinen Beitrag leistet.

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